Ineffizienz
 
 
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Fakten

Ineffizienz
  (aktualisiert Juli. 2019)

Die Region Odenwald im Süden des Bundeslandes Hessen zählt meteorologisch gesehen zu den Schwachwindgebieten. In dem nord-westlichen Teil beträgt die langjährige mittlere Windgeschwindigkeit 4,9 m/s, in dem südlichen Teil zwischen 3,4 (Südwest) und 3.6 (Südost) m/s (ISET Windmessprogramm Hessen). Wenn man bedenkt, dass moderne Windräder ihre Nennleistung erst knapp oberhalb einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s erreichen und konstruktionsbedingt bei 2,5 m/s anlaufen, wundert es, dass zurzeit an mehreren Standorten im Odenwald der Bau von Windparks vorgesehen ist.

Zwei neue Windräder des Type Enercon E-82 mit einer Nennleistung von je 2 MW wurden bereits in November 2010, als erster Teil eines zukünftigen Windparks, auf dem Binselberg bei
Groß-Umstadt errichtet. Die offizielle Inbetriebnahme durch die Betreibergesellschaft HSE fand am 28. Mai 2011 statt. Neben den beiden neuen Windrädern finden wir hier auf dem Binselberg, Richtung Süden, noch 2 weitere Windräder des Typs Fuhrländer 1000 aus dem Jahr 1999, die von der privaten „Windpark Binselberg Betreibergesellschaft GmbH & Co Betriebs KG“ aus
Groß-Umstadt betrieben werden. Die Befürworter der beiden neuen Enercon E-82 Windräder argumentieren, dass hier nunmehr Strom für 3000 Haushalte rechnerisch erzeugt werden kann.

In der Praxis kommt man zu einem anderen Ergebnis. Sehen wir uns die Situation vor Ort mal etwas genauer an. Für die Errichtung der ersten beiden Enercons E-82 wurde für den Binselberg eine Rodungsfläche von 8400 m² beantragt und vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP) genehmigt. Daraus wurden dann in der Praxis 15.000 m², nachzumessen auf dem neuesten Google Satellitenbild. Bei der Erstellung des Windgutachtens und der Parkwirkungsgradberechnung gingen die Planer von einer mittleren Windgeschwindigkeit, in einer Referenzhöhe von 138,3 m über Grund (Nabenhöhe), von 6,8 m/s aus. Die Leistungskennlinie eines Enercon E-82 zeigt für eine Windgeschwindigkeit von 6,5 m/s eine Leistung von 448kW an. Das ist etwa 1/5 der Nennleistung von 2 MW. Für die jährliche Gesamt-Energieproduktion geben die Planer 10.525 MW/h in ihren Prognosen an.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Maß aller Dinge bei der Windenergiegewinnung ist die Volllaststundenzahl, also die Zahl die, multipliziert mit der vom Hersteller angegebenen Nennleistung, die Jahresproduktion in MW/h ergibt. Die ermittelte Volllaststundenzahl für Windräder in der Bundesrepublik für das Jahr 2010 betrug 1357 Stunden (zum Vergleich 1 Jahr hat 8760 Stunden - Bild 1). Real wären somit am Binselberg 2010 von 2 Enercon E-82 insgesamt 5.428 MW/h produziert worden. Die Planer jedoch gehen von einer laufenden Jahresproduktion von 10.525 MW/h aus. Also Prognose versus Realität = 10.525 MW/h zu 5.428 MW/h. In der Praxis dürfte es somit schwierig werden den 60% Referenzertrag-Nachweis zu erbringen.
Die Ineffizienz liegt hier nicht nur bei den Windrädern, sondern vor allem bei der Wahl des Standortes.
Da der Wind eine unberechenbare Größe in dem Prozess der regenerativen Stromerzeugung durch Windräder ist, bleibt abzuwarten wie das Resultat für 2011 ausfällt. Effizient erscheint das ganze Unternehmen Binselberg nicht.

Vorläufige Daten aus November 2011 zeigen nun, daß 2011 in Hessen voraussichtlich nicht mal 50% der Prognose erreicht wird. Die Produktionsdaten von 2010 zeigen ausserdem, daß die Vollaststunden (8760 pro Jahr) bei Windrädern in Hessen 2010 windbedingt durchschnittlich nur zu 10% zur Erzeugung von Strom herangezogen werden konnten. Erstaunliche Ausnahme ist da Hainhaus, daß mit 21% aufwartet. Alle Anderen liegen zwischen 8 und 12% der Vollaststundenzahl von 8760 pro Jahr.

Nun wird die Effizienz mancherorts durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) in den Hintergrund gedrängt. Gesetzlich garantierte Einspeisevergütungen auf 20 Jahre, mit oder ohne Wind, lassen die Kassen der Betreibergesellschaften klingen. Risikoloses Bauen in Gegenden, wo kein Mensch ohne Subventionen je ein Windrad gebaut hätte, ist leider Alltagsgeschäft geworden.
Das Gefährliche an der Sache ist, dass man die Ineffizienz mancherorts durch Quantität auszugleichen versucht. Wenn Geld kaum eine entscheidende Rolle spielt, ist man geneigt die örtlichen Defizite durch Mehrbauten zu kompensieren. Das geht dann optisch und akustisch auch zu Lasten der Bürger. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass die massive Erhöhung der installierten Leistung bei Windrädern Bundesweit seit 2006, nicht den gewünschten Effekt bei der Effizienz gebracht hat. Bild 1 zeigt die verschiedenen Leistungskurven seit 2006. Die minimale (braune) Leistungskurve ganz unten im Diagramm stellt den Beitrag zur Grundlastsicherung durch Windenergie dar. Sie beträgt nur wenige 100 MW im Jahr! Windenergie ist demnach untauglich zur Sicherung der Grundlast im Netz. Unter "Daten" finden Sie eine ausführliche Analyse von 2006 bis 2016.

              

Bild 1.
Neben der Ineffizienz spielen auch die Beeinträchtigung der Natur und die Lärmbelästigung eine überaus große Rolle. Dort wo Naturschutzgebiete ausgewiesen sind sollten eigentlich keine Windräder gebaut werden und schon gar nicht in unmittelbarer Nähe von Ortschaften oder Wohnhäusern.
Bei der Planung für das neue Windpark Binselberg bei Groß-Umstadt hat man es in erster Linie mit der s.g. Avifaunistischen Karte der Region zu tun. Aus der Einteilung und Ausweisung ergibt sich was schutzwürdig ist und was nicht. Merkwürdigerweise war der Binselberg nicht schutzwürdig obwohl dort oben ein Schild mit der Aufschrift „ Naturschutzgebiet“ zu finden ist. Alle betroffenen Instanzen wie NABU und Hessen-Forst haben ihre Zustimmung zur Rodung gegeben, aber vor Baubeginn hat man noch schnell die vorhandenen Brutkästen weggeholt („da oben fliegt nichts Schutzwürdiges„).

Aus dem zur Zeit in Verabschiedung befindlichen Rest-Flächennützungsplan geht hervor, daß praktisch die gesamte Region Odenwald zu "Vorbehaltsgebieten für besondere Klimafunktionen" erklärt werden soll. Nach dem Raumordnungsgesetz §8, Absatz 7, Punkt 3 ist damit im gesamten Odenwald der Windkraft gegenüber konkurrierenden Nutzungen von alternativen Energieformen ein besonderes Gewicht beizumessen!
In Klartext: "es darf demnächst überall im Odenwald alles, was neben Windkraft mit regenerativen Energieformen zu tun hat, gebaut werden".

Nun wird man fragen, was hätte die Stadt Groß-Umstadt als betroffene Gemeinde damals gegen das Windkraftprojekt am Binselberg tun können. Die Antwort lautet, eigentlich nichts. Der Gemeinderat hat zwar für das Projekt gestimmt und ein „nein“ hätte ihm besser zu Gesicht gestanden, jedoch ist die gesetzliche Lage so, dass eine betroffene Stadt nur ein Anhörungsrecht hat, aber die Genehmigung und Durchsetzung von Bauvorhaben einseitig vom Regierungspräsidium Darmstadt bestimmt wird. Nur über das Wegerecht können Gemeinden den Bau von Windparks unter Umständen verzögern. Juristisch verhindern können sie den Bau von Windrädern vor der Haustür am Ende damit nicht.
In der Gemeinde Modautal wäre diese Prozedur des Wegerechts fast zum Tragen gekommen. Dann aber sah die Gemeinde nach einer Meditation mit dem RP, dem Betreiber und einem Richter von ihrem Vorhaben ab. Es wurde eine Vereinbarung zwischen den Parteien getroffen deren Inhalt nicht veröffentlicht wurde. Demokratie zum Wohle des Volkes? Somit werden hier direkt vor dem Ortsteil Neutsch auf der Neutscher Höhe demnächst wohl zwei neue Windräder des Typs MM-92 zusätzlich zu den 3 bereits vorhandenen Tacke TW-600 gebaut. Mittlerweile haben die beiden Windräder ihren Betrieb aufgenommen und siehe da es mehren sich die Stimmen, die den Betrieb als zu laut empfinden. Sogar aus Ober-Beerbach kommen Proteste. Wenn man bedenkt, daß noch 2 bis 3 zusätzliche Windräder mit einer Nabenhöhe von 140 Mtr. (Enercon E-82 ?) und Blattspitze von 200 Mtr. geplant sind ist es jetzt höchste Zeit, daß auch von offizieller Seite mal über eine Lärmmessung gemäß TA-Lärm nachgedacht wird. Ist die Genehmigung erst mal erteilt dürfrte es äusserst schwierig werden nachträglich noch Veränderungen durch zu setzen.

Welche Alternativen hätte man momentan lokal in der Region Odenwald? Da fallen einem eigentlich nur die Biomasse und die Kraft-Wärmekupplung (Erdgas) ein. Diese Formen der Energieerzeugung stehen im Jahr die vollen 8760 Stunden zur Verfügung, denn sie sind weder von Wind noch Sonne abhängig. Das heißt, die Nützungseffizienz wäre fast 100% wenn man die Wartung einbezieht. Bei Biomasse Kraftwerken die ausschließlich Mais verarbeiten muss man aber immer einen Ernteausfall mit in Betracht ziehen. Auch die immer grösser werdenden Anbauflächen für den Mais bringen auf Dauer immense Probleme für die Landwirtschaft mit sich. Beim Erdgas ist fest zu halten, daß es sich hier um Mehrbedarf handelt, der zur Zeit ausschliesslich durch die Produktion aus Russland gedeckt werden kann. Die Lieferungen aus den Niederlanden und Norwegen können nicht weiter erhöht werden. Die Abhängigkeit vom Russischen Erdgas würde somit für Neubauten nach dem Kernernergieausstieg perfekt sein.
Ein Effizienzvergleich zeigt Bild 2. Deutlich ist hier zu sehen, wie viel Windkraft- und Photovoltaikleistung man installieren muss um mit einem kleinen 100kW Biomassewerk mithalten zu können.
Wer mit Wolken, Finsternis und schwacher Wind die Energiewende vollziehen möchte, sollte sich rechtzeitig nach geeigneten Alternativen für eine gesicherte Grundlast umsehen.

                     

Bild 2.
Abschließend muss man feststellen, dass der Bau von Windrädern in Schwachwindgebieten nur möglich geworden ist, weil durch eine irrationale finanzielle Förderung kaum unternehmerische Risiken mehr bestehen und auch Privatanleger scheinbar risikolos Kapital für 20 Jahre gegen 6 bis 8% anlegen können. Dass es trotzdem schief gehen kann wird eindrücksvoll durch die Liste der insolventen Unternehmen belegt (siehe auch "Fakten" "Bürgerbeteiligung Windkraftanlagen" und "Insolvenzen").

Frank Loozer